Tanz der Karten – Kapitel 20

~ Hey guys, heute gibt es direkt ein weiteres Kapitel von Tanz der Karten! Ich hoffe doch stark, dass es euch gefällt!~

Als unsere Lippen sich leicht berührten, entbrannte in mir ein Feuer. Mein Atem wurde schlagartig unkontrolliert. Das war einfach kein Vergleich zu Ikki oder irgendjemand sonst. Ich konnte es kaum fassen, dabei hatte er mir so viel angetan. Es gab doch dieses Phänomen, dass sich Opfer in deren Peiniger verlieben? Allerdings war ich doch auch schon vorher in ihn verliebt gewesen. Eigentlich hatte auch ich ihn schon oft genug verletzt und würde es immer wieder tun. Bestand das Leben nicht daraus ständig zu verletzen und verletzt zu werden? War Vergebung nicht das Einzige, was etwas Ordnung in mein Chaos bringen könnte?
Ich verstand mich nicht und auch nichts sonst. Ein Schmunzeln kam mir über Lippen, nachdem wir uns gelöst hatten. Meine eigene Unfähigkeit zu beurteilen, wie ich am besten verfahren sollte, machte diese Situation fast komisch.
Eines war eindeutig. Mein Körper wollte ihn erneut küssen, die Arme um ihn schlingen, ihn an mich drücken und mit ihm in die Wohnung gehen. Ja, er wollte wissen, wie gut es sich anfühlen würde, wenn allein ein Kuss so ein Gefühl in meiner Magengegend auslösen konnte. Ich wollte ihn erneut küssen, doch da wich er zurück. „Küsst du mich, weil du es wirklich willst oder weil du den heutigen Tag einfach vergessen willst? Vielleicht sogar aus Wut auf Ikki?“, fragte der Blonde vorsichtig.
Mein Herzrasen ließ nicht zu, darüber nachzudenken. Ich war so verwirrt und wollte mich jetzt wirklich nicht damit auseinandersetzen. „Fuck…“, fluchte ich und drehte mich um, damit schloss ich die Tür auf, ging hinein und schmiss sie vor Tomas Nase zu. Danach ließ ich mich im Flur zu Boden sinken und gab den Tränen einfach nach. „Es tut mir Leid, Shin… Ich wollte dich nicht schon wieder zum Weinen bringen… Du solltest dich und deinen Körper etwas mehr zu schätzen wissen.. Ich will nicht, dass du mit einem anderen Mann, gerade mit mir, deine Trauer verarbeitest…“ „Geh‘ nach Hause“, fluchte ich und ging in mein Zimmer, wo ich mich nach einigen Stunden in den Schlaf weinte.

Am nächsten Tag ging ich nicht in die Uni und sagte auch auf der Arbeit ab. Stattdessen ließ ich mir ein Bad ein und entspannte auf meine Weise mit einem guten Buch und Zeit um nicht nachzudenken, sondern alles andere zu tun.
„Hallo?“, fragte ich als ich nachmittags das Telefon abnahm. „Hey, ich hab mir Sorgen gemacht als Ikki meinte, dass er dir schlecht ginge und du nach Hause gegangen wärst. Sawa meinte, dass du heute auch nicht in der Uni gewesen wärst!“, legte Heroine am Hörer sofort los. „Ja, mein körperlicher Zustand hat wohl doch nicht ganz mitgemacht“, erklärte ich. „Vielleicht hast du auch die vorletzte Nacht ein bisschen übertrieben, nicht?“ Ich hielt kurz die Luft an. „Sawa hat mir davon erzählt…“ „Ich muss mich dringend noch bei ihr entschuldigen…“ „Sie meinte, dass es ihre Schuld wäre. Du hättest ja kaum eine andere Wahl gehabt, außer du wärst unfreundlich geworden und hättest sie raus geschmissen.“ „Ich… wollte ihr nicht weh tun, also später schon, aber das hat sie wohl anders empfunden… Ich bin momentan nicht in der Fassung bei klarem Verstand zu bleiben, deswegen bin ich ehrlich gesagt auch Zuhause geblieben…“ „Ich verstehe… Bist du momentan verliebt?“
Ich wusste nicht ganz, warum sie fragte und was ich antworten sollte, doch letztendlich hatte ich meine Antwort doch schon lange: „Ja…“ „Wer ist es?“ „Der, der mich am meisten verletzt hat, von dem ich ausging, dass ich ihn nie wieder sehen will und trotz allem…“ Für eine Sekunde herrschte Stille und schließlich fragte Heroine: „Willst du ihm vergeben?“ „Ich weiß es nicht… und genau deswegen bin ich so inkonsequent… Ziehe Leute zu mir, um sie dann weg zu stoßen.. Ich verletze Menschen, weil ich verletzt wurde…großartig…“ Ich legte meinen Kopf in den Nacken und starrte die Decke an. „Das liegt wohl in der Natur des Menschen“, seufzte Heroine, obwohl so ein Satz überhaupt nicht zu ihr passte. Was sollte sie aber auch anderes sagen, ohne mich zu kränken? „In zwei Tagen ist der Tanzabschlussball. Wirst du hingehen?“
Ich zögerte für einen Moment. Einerseits wollte ich schon gerne hingehen, aber mit wem? „Wir werden sehen…“

Wir unterhielten uns noch etwas und nachdem das Gespräch einen erfrischenden Verlauf nahm, fasste ich neuen Mut. Ich entschied mich dazu, meine Wohnung zu verlassen. Meine Schritte trieben mich zu einem Haus, dass ich bis jetzt nur im Dunkeln gesehen hatte. Ich klingelte und Sawa öffnete mir die Tür.
„Shin?“, fragte sie verwirrt. „Hey, ich… ich muss mich für neulich entschuldigen.“ „Alles gut, das war nur ein One Night Stand, kein Weltuntergang!“, meinte sie belustigt, aber irgendwie hatte es einen bitteren Beigeschmack. „Du wirktest aber traurig und dafür will ich mich entschuldigen… Können wir… können wir einfach als ganz normale Freunde von vorn‘ anfangen?“ Sie sah mich für kurz wortlos an und begann dann plötzlich zu lachen.
„Du bist manchmal ein echtes Kind… Aber weißt du was: Warum eigentlich nicht? Ich hab mir nicht wirklich etwas von dir erhofft, muss ich zugeben. Aber es hat mich verletzt, dass du einfach so mit mir spielst“, gestand sie ehrlicherweise und ergänzte: „Vielleicht ist es besser, wenn wir das nicht zwischen uns stehen lassen.“ Ich war erleichtert über ihre Antwort und sie lachte mich aus, als sie den Abfall meiner Anspannung bemerkte. „Hat dir das so viel Kummer bereitet? Wie süß!“, meinte sie belustigt, woraufhin ich fluchte: „Ich bin nicht süß…“ „Sehr wohl! Sag mal, hast du Lust mit mir zum Tanzabschlussball zu gehen? Rein freundschaftlich?“ Ich war überrascht, aber willigte letztendlich ein. Immerhin wollte ich tatsächlich gerne hin, auch wenn es mir schwer fiel das zuzugeben. Ich erwartete, dass sie etwas sagen würde wie ‚Du bist wohl doch ein Mädchen‘, aber sie zog mich nicht weiter damit auf, dass ich mich über ihr Angebot freute.

So verbrachte ich diesen und den darauffolgenden Tag damit, meinen Anzug zu suchen, den ich damals für meinem Abschlussball zu Schulzeiten getragen hatte. Dabei fiel mir wieder Tomas Brief in die Hände, den er mir mit all meinen Sachen gegeben hatte. Ich hatte ihn bis jetzt kein einziges Mal berührt, weil es mir einfach zu schwer fiel. Doch nun war ich bereit dafür:

Lieber Shin,

ich verlange nicht, dass du mir verzeihst. Aber ich will, dass du weißt, warum ich das getan habe. Eigentlich wollte ich dich nicht für mich beanspruchen oder dich einsperren aus Egoismus. Ich dachte, dass du es auch willst, wenn ich es nur schön genug für dich mache. Am Anfang war ich überzeugt, dass es das Beste für dich ist und ja… auch für mich. So könnte ich dich immer um mich haben. Doch DAS war nicht das, worauf ich hinaus wollte, niemals.
Ja, ich wollte dich nicht verletzen, eher im Gegenteil. Ich wollte dich vor all der Ungerechtigkeit beschützen, doch dabei habe ich dir Ungerechtigkeit angetan. Als mir auffiel, was für ein scheinheiliger Vollidiot ich doch bin, war es schon zu spät und ich wusste nicht, wie ich mich verändern könnte. Ich wusste einfach nicht, wie ich es dir recht machen könnte. Ich hatte solche Angst, dich zu verlieren, wenn ich jetzt locker lassen würde. Es tut mir nur so unendlich Leid.
Ich habe Ikki überprüft, mit ihm geredet, ihn beobachtet und bitte…Vertrau ihm nicht. Ich habe schreckliche Angst um dich, wenn du dich in seine Arme gibst. Bitte…Wirklich, ich will, dass du glücklich wirst, aber mit ihm kannst du das nicht werden.
Ich verlange nicht von dir, dass du mir verzeihst, aber vielleicht kannst du es ja irgendwann. Ich werde nie, nie wieder etwas tun, das gegen deinen Willen geht und wenn ich es tue, dann will ich das du mich verklagst und hinter Gitter bringst, so wie ich es dir angetan habe. Eine Bastard wie ich hat es nicht anders verdient. Meine Intention und meine Handlung hatten wirklich nichts mehr miteinander zu tun. Ich war absolut gestört und krank.
Ja, ich habe eingesehen, dass ich an allem Schuld bin. Hätte ich dir nur nie gesagt, was ich für dich empfinde… Hättest du dich nur nie in mich verliebt, dann hätte Ikki dich nicht erpressen können… dann wäre bei mir nie eine Sicherung durchgebrannt. Dann wäre ich nie zu dem irren Psychopathen geworden, der ich nun einmal war.

Ich bin das Schlechteste, was dir je passiert ist. Es tut mir aufrichtig Leid, dass ich so dumm bin…

Toma“

Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen. Irgendwie war es traurig zu lesen und doch irgendwie beruhigte es mich zu lesen, dass er selbst wusste wie er in dem Moment auf mich gewirkt haben musste. Es löste gemischte Gefühle bei mir aus. Vielleicht war ich wirklich imstande ihm zu vergeben oder vielleicht auch nicht. Ich ertappte mich bei ziemlich schrägen Gedanken, die mich durch die verschiedensten Szenarien trieben und das über Stunden hinweg. Letztendlich entschied ich mich, das Thema vorerst sein zu lassen und schlafen zu gehen. Ich war wirklich gespannt, was der Abschlussball mit sich bringen würde.

Save the Game? Yes or No?

~Shin ist einem Konflikt mit sich selbst. Wird er Toma Glauben schenken oder sich gegen ihn entscheiden? Was wird der Abschlussball mit sich bringen? Was wird nur passieren? Alles steht in den Sternen… Bleibt dabei! Bis zum nächsten und letzten Kapitel von Tanz der Karten! DarKira~

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