Tanz der Karten – Kapitel 19

~ Verzeiht mir, dass es so lange her ist, dass ich das letzte Mal geschrieben habe. Jetzt habe ich vor diese Story langsam allmählich zu einem Ende bringe. Ihr hört ganz recht! Das wird mein Weihnachtsgeschenk an euch alle und an eine ganz besondere Person. Ich hoffe, dass es euch gefällt!~

Dies war die letzte Tanzstunde vor dem Tanzabschlussball und es war vielleicht meine Chance, mich bei Ikki zu entschuldigen und ihm zu sagen, was ich wirklich möchte. Ich wollte mit ihm ehrlich reden und ihm alles erklären… ihm erklären, warum ich in letzter Zeit so verwirrt war, warum ich all diesen Mist machte, wie es mir ging und wie ich momentan nur an mich denken konnte. Liebe, Leidenschaft und Sex waren für mich nie zuvor so ein bedeutendes und so naheliegendes Thema gewesen wie zur Zeit. Mit meiner Gefühlswelt musste ich mich nie ernsthaft auseinandersetzen. Wie sollte ich da so plötzlich mit all diesen Veränderungen umgehen können?

Während mir all diese Gedanken durch den Kopf gingen und ich mich immer noch fragte, wie ich es genau ihm erklären konnte, starrte ich unbeholfen zu einem Szenario, das mein Gehirn noch nicht einmal als real verarbeitet hatte. Ich stand neben der Spur, während ich das Treppenhaus hinunter sah, wo sich mir ein Eindruck in die Privatsphäre zweier Personen bot, die definitiv nicht von Beobachtung ausgingen.
Toma drückte Ikki gegen die Wand und Ikki zog ihn zu sich. Ihre Gesichter waren sich entsetzlich nahe und Ikki flüsterte zu ihm: „Bist du so frustriert, dass du auch mit mir ficken würdest?“ Toma sah verwirrt aus, als ob es nicht das gewesen wäre, weswegen er dort stand. Trotz dieses Gesichtsausdrucks kam Toma ihm näher und fragte: „Würdest du es tun?“ Mein Herzschlag wurde schneller, obwohl ich mir so sicher war, dass Ikki ihn eh abweisen würde. Immerhin hatte Toma mich so sehr verletzt, war ein Stalker.. Ja, er war krank. „Dich ficken?“, fragte Ikki mit einem leichten Grinsen. Woraufhin der Blonde ein „Ja“ gegen Ikkis Lippen raunte, welcher nur antwortete: „Zu welchem hübschen Kerl könnte ich denn jemals ‚Nein‘ sagen?“
Ich schnappte kurz nach Luft. Das war eine Lüge, garantiert. Er wollte Toma verführen, um ihn für mich eins auszuwischen. Meine Beine gaben allmählich unter mir nach und ich fragte mich, ob ich wohl falle. „Shin!“, hörte ich eine allzu vertraute Stimme rufen, als ich die Besinnung verlor.

Shin, Shin! Sag doch was!“ Ich öffnete vorsichtig die Augen und blickte ihn wunderschöne Augen, die ich vermisst hatte. Ein Lächeln kam mir über die Lippen, als ich feststellte, dass es Tomas Augen waren. Dabei waren es schon immer Ikkis Augen, die so ein Gefühl in mir ausgelöst hatten. Ich lag in Tomas Armen, der mich offensichtlich versucht hatte, mich aufzuwecken. Ungläubig schaute ich nach oben, wo Ikki stand, der auf seinem Telefon tippte.
„Ich rufe jetzt den Krankenwagen…“, knurrte er in sich hinein. „Nein…“, brachte ich heraus und wurde von seinem verwunderten Blick erfasst. „Du bist wach?“ „Ja, mir geht es gut. Ich hab mich wahrscheinlich nur etwas überanstrengt während der Tanzstunde“, erklärte ich ruhig. Tomas Berührungen machten mir keinerlei Angst, sowie Ikkis Gedanken zum gestrigen Vorfall. Ich war so ausgeglichen wie lange nicht mehr. Das könnte daran liegen, dass ich vor Kurzem bewusstlos war und mich deswegen seltsamerweise wohl fühlte, da mein Körper so etwas regenerieren konnte.
Die beiden sahen sich kurz gegenseitig und dann mich an. „Meinetwegen, aber dann brech‘ die Tanzstunde für heute ab und scher‘ dich in dein Bett, um dich auszuruhen“, ermahnte mich Ikki. „Aber er kann in diesem Zustand nicht alleine nach Hause gehen“, meinte Toma sichtlich besorgt. Sein Gesicht war wahrscheinlich bleicher als mein eigenes. Ikki seufzte fast etwas genervt. „Ich kann ihn jetzt nicht nach Hause fahren, ich habe eine Tanzstunde zu leiten.“ „Ich könnte ihn bringen“, erklärte Toma. „Damit du ihn irgendwo einsperrst, du Witzbold? Ohne dich wären wir jetzt gar nicht in dieser Lage“, fauchte der Weißhaarige, was gar nicht zu ihm passte und mich zugegeben etwas unsicher machte.
Warum sagte er „wir“, als ob er Schäden durch mein Umkippen zu tragen hätte? Meinte er damit etwas anderes? Wollte er sich von mir distanzieren und war nun wieder an mein Wohl gebunden? Hatte er mich nur aus Mitleid damals bei sich aufgenommen? Wieso machte mich seine ganze Haltung gerade so unschlüssig.
„Ikki, eigentlich wollte ich mich noch bei dir entschuldigen“, merkte ich nun an. „Wofür denn?“ „Das Telefonat und so…“ „Ach das ist mir egal. Mach doch, was du willst. Ich mache es doch selbst nicht anders“, erklärte er und es sollte offensichtlich locker und charmant wirken, aber er schien innerlich ziemlich gestresst, gar gereizt von meiner bloßen Anwesenheit. „Ich hatte nur das Gefühl, dass es dir wichtig ist, dass du der Einzige bist, auch weil du nicht mehr auf meine Anrufe reagiert hast…“ Ikki wurde plötzlich lauter: „Shin, könnten wir bitte nicht jetzt und nicht vor ihm darüber reden?! Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du jetzt einfach nach Hause gehen könntest und dich ausruhen, damit ich mir keinen unnötigen Sorgen machen muss… Ich muss jetzt jedenfalls zu dem Unterricht zurück. Dir scheint es ja gut genug zu gehen, um alleine nach Hause zu kommen“ Mit diesem Worten verließ er das Treppenhaus und ging zurück in den Tanzsaal.

Ich war kreidebleich geworden und ließ meinen Oberkörper zurück auf den Boden fallen. Während mein Blick die Decke fixierte, meinte ich zu Toma: „Geh‘ ruhig in den Unterricht zurück. Ich komme schon nach Hause“ „Ehrlich gesagt… Ich möchte mich nicht unbedingt darauf verlassen, dass du irgendwie nach Hause kommst“, erklärte Toma vorsichtig. „Das war eine Aufforderung, mich allein zu lassen…“ „Eigentlich war es ein Hilfeschrei, dass du nicht allein sein willst“, argumentierte Toma und er hatte recht. Er kannte mich zu gut und wusste, was mir durch den Kopf ging. Für einen kurzen Augenblick herrschte Schweigen.
„Bringst du mich nach Hause?“ „Gerne…“ Als mir Toma auf die Beine half, merkte ich erst einmal wie schwach sie wirklich waren. Ich hatte meinen körperlichen Zustand völlig vernachlässigt, als hätte ich stundenlang Gewichte gehoben, obwohl ich mich nie zuvor körperlich betätigt hätte.

Toma merkte sehr schnell, worauf es hinauslief und trug mich kurzerhand die Treppen hinunter. Ab da ließ er mich selbst laufen und stützte mich, sobald er bemerkte, dass ich schwankte. Wir hatten uns nicht viel zu sagen, aber das störte mich gar nicht. Ich war komischerweise einfach froh, dass er bei mir war. „Shin… Liebst du Ikki?“ „Keine Ahnung“ „Dabei sagtest du mal, er hätte dich zu all dem gezwungen…“ „Mhhm, ich werde wohl zu vielem gezwungen. Vielleicht sollte ich anfangen, die Schuld bei mir zu suchen, mh?“, meinte ich bissig. „So meinte ich das nicht… Ich wollte nur wissen… War er eine Flucht vor mir… weil er dich offensichtlich wollte und weniger schlimm war als ich?“
Vielleicht hatte er mit dieser Annahme sogar recht. Vielleicht stürzte ich mich aus Angst vor dem Alleinsein, aus Verzweiflung immer wieder in neue Affären, neue Verhältnisse. Oder hatte ich mich in das Gefühl verliebt? Konnte ich deshalb nicht „nein“ sagen? Eigentlich war mir doch einfach alles egal, weil ich sowieso nicht herausfinden könnte, was richtig und was falsch ist.
Ich seufzte und gab einfach zu: „Ich weiß es nicht“ „Shin, ich wollte dich eigentlich nie verletzen, weißt du?“ In diesem Moment blieb ich angewurzelt stehen und fragte: „Sondern?!“ „Eigentlich wollte ich dich beschützen, als ich hörte, dass er dich erpresst hatte… Dass er dich praktisch vergewaltigt hatte? Ich hatte solche Angst, dass es wieder passieren würde. Verstehst du? Ich wollte dich vor der Außenwelt beschützen und dir ein Leben bieten, indem es all diesen Schmerz nicht gibt, indem du niemals leiden müsstest. Ich wollte dir alles abnehmen, was dir Sorgen bereiten könnte und dir einen siebten Himmel schaffen. Letztendlich hab‘ ich das Gegenteil erreicht. Das tut mir Leid…“
Ich stand stumm da und starrte ihn verwirrt an. Ich hatte das Gefühl, dass ich diese Erklärung abstoßend und nicht süß finden sollte. Diese Rechtfertigung machte nichts wieder gut. Trotzdem wollte ich ihn in den Arm nehmen und ihm für den Versuch danken, mir ein Utopia zu schaffen. Es war seltsam und so verquer, aber so war es doch schon immer gewesen. Irgendwie wusste ich nicht genau, was ich dazu sagen sollte. „Man darf einem Menschen sein Leid nicht nehmen, dann wäre er doch so gut wie tot. Ist es nicht der Schmerz, der uns überhaupt leben lässt?“, fragte ich nachdenklich. „Ich hatte Angst, dass es zu viel für dich wird, dass du das Leben aufgibst. Du warst schon so oft kurz davor, deine Menschlichkeit zu verwerfen… Ich hatte Angst. Ich wollte nicht, dass er dir noch einmal weh tun könnte“, meinte er mit einem bitteren Lächeln und ich verstand in etwa, was in seinem Kopf vor sich gegangen sein musste.
„Was war das eigentlich vorhin Ikki und dir?“, gab ich nun zurück und er schaute mich verdutzt an. „War es das, weswegen du umgekippt bist?“ Ich sah ihn nicht an, aber das reichte ihm offensichtlich als Antwort. „Ich wollte ihm sagen, dass er dir unter keinen Umständen weh tun darf… Damit du nicht nochmal so etwas wie mit… mir… durchmachen musst. Er dachte offensichtlich, dass ich aus ganz anderen Gründen zu ihm komme und ehrlich gesagt wollte ich wissen, ob er wirklich so weit gehen würde und mit einem wie mir schlafen würde, ob er dir ohne mit der Wimper zu zucken so etwas antun könnte…“
Ich wusste ganz genau, wenn Toma mich anlog und gerade tat er es nicht. Nun wurde mir einiges klarer und ich lief langsam weiter. Toma war wirklich nur in reiner Sorge um mich, während Ikki es vielleicht auch war, aber ich konnte ihn nicht annähernd so gut berechnen. Für mich war Ikki ein rotes Tuch und ich hatte Angst, dass dieser charmante Aufreißer und alle anderen auch zu gut verstand. Seine Worte hatten mir einen Schlag versetzt. ‚Ach das ist mir egal. Mach doch, was du willst. Ich mache es doch selbst nicht anders‘ Ganz bestimmt meinte er es nicht so wie er es ausgesprochen hatte, schließlich war er unter immensen, emotionalen Stress in diesem Moment. Weshalb war er überhaupt so gestresst in einem Moment wie diesem?

Es herrschte Stille, während der restlichen Strecke und Toma machte das sichtlich nervös. Nun standen wir jedoch vor meiner Wohnung und ich drehte mich zu ihm um. Vorsichtig legte ich eine Hand seine Wange. Plötzlich machte er mir keine Angst, jetzt wo ich seine unsicheren Augen verstand. „Toma, versuch‘ kein besserer Menschen zu sein als du sein kannst. Das macht alles nur kompliziert… Ja, es ist alles so kompliziert…“ Ich schaute zu Boden, aber sah sein Nicken trotzdem. „Darf ich etwas ausprobieren?“, fragte ich nun und traf auf ein: „Alles, was du willst…“
In diesem Moment hob ich mein Blick zu ihm und näherte mich ihm. Mein Herz begann wie wild zu schlagen und es machte mich auf eine positive Art nervös. Ich näherte mich bis sich unsere Lippen leicht berührten.

Save the Game? Yes or No?

~Wie wird es wohl weitergehen? Ob die beiden doch wieder zusammenkommen können oder ob Shin sich entscheidet, dass er ihm nicht vergeben will? All das und noch viel mehr erfahrt ihr im nächsten Kapitel Tanz der Karten!
DarKira~

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