Tanz der Karten – Kapitel 15

~Auf Wunsch einer einzelnen Person bringe ich heute direkt noch ein Kapitel von Tanz der Karten heraus. Dieses Mal sind wir zu Shins Sicht zurückgekehrt. Ich hoffe, dass es euch gefällt. Viel Spaß damit!~

 

Ich saß auf Tomas Bett und wartete, dass er mit dem Tee in der Hand wiederkam und ich ihm meine Liebe gestehen könnte. Da kam er herein mit einem Lächeln und setzte so nah an mich, dass ich seinen Geruch so intensiv wahrnahm und dass nicht nur, weil ich seine Klamotten trug. „Trink erst einmal etwas. Das wird dich wärmen.“ „Nein, ich muss dir etwas sagen. Ich habe schon viel zu lange gewartet.“ Also stellte ich die Tassen von uns beiden weg und legte eine Hand an seine Wange. „Toma, ich liebe dich, doch war immer zu unfähig es dir zu sagen. Unsere Freundschaft stand auf dem Spiel und ich hatte das Gefühl dich betrogen zu haben. Es tut mir alles so Leid, aber ich will, dass du weißt, dass du der Einzige bist, der für mich zählt.“ Tomas Augen begannen zu strahlen und Tränen rannen seine Wangen herab, Freudentränen. „Ich liebe dich auch.“, flüsterte er. Dann küsste er mich innig. Meine Sinne wurden mir geraubt, mein Verstand schaltete sich ab. Ich wollte mich ihm einfach hingeben. Er durfte alles von mir bekommen, meinen Körper, meinen Geist, alles. So drückte er mich vorsichtig, aber bestimmend auf das Bett. Ich wollte ihn wirklich, doch… plötzlich sah er mich mit einem fürchterlichen Blick an. „Du wirst mir gehören, für immer. Ich lasse dich jetzt nie wieder gehen.“ Diese Stimme machte mir Angst. Das war nicht mehr mein Toma. Das war nicht mehr die Person, die ich liebte. „Du wirst nur noch mir gehören!“
Panisch wachte ich auf und sah mich vollkommen orientierungslos im Zimmer um. Mein Puls raste und ich zitterte am ganzen Körper. Das war das erste Mal seit einer langen Zeit, dass ich wieder in meiner eigenen Wohnung in meinem Bett schlief und das auch noch alleine. Ein paar Tage waren vergangen, die ich bei Ikki verbracht hatte, unter anderem das komplette, letzte Wochenende. Ich fühlte mich bei ihm unglaublich geborgen, auch wenn er nicht immer bei mir war. Das machte mir jedoch nichts aus. Ich wusste ja, dass Ikki sehr beliebt war, viele Freunde hatte und einen Job zu erledigen. Allerdings tat es schon weh, wenn er nach Hause kam, offensichtlich mit einer anderen Person geschlafen hatte und wirklich nicht einmal versuchte es zu verstecken.
Am Freitag musste ich noch einmal zu einer Kontrolle beim Arzt gehen. Dieser versicherte, dass ich am Montag wieder zur Uni gehen könnte, riet mir aber von der Arbeit im Kaffee erst einmal ab. Dementsprechend bestanden Ikki und Heroine darauf, dass ich am Wochenende noch bei Ikki bleiben sollte, aber brachten mich Sonntag Abend dann wieder in mein Apartment. Es war so einsam hier, dass mir schlecht wurde. Ich wollte wieder zu Ikki, der mich umsorgt hatte mit diesem perfekten Lächeln, das allerdings kaum eine Spur von Aufrichtigkeit hatte. Innerlich schien er nicht gerade die fröhlichste Person zu sein, genauso wenig ging noch bei Toma davon aus, dass er annähernd heiter war. Stattdessen fragte ich mich, ob er es jemals gewesen war. Mir kamen die Tränen und ich schüttelte verzweifelt den Kopf. Warum hatte ich diesen Traum? Meine Gefühle für Toma wurden doch komplett ausgelöscht, oder etwa nicht? Ich dachte an die Nächte mit Ikki zurück und stellte fest, dass diese unglaublichen Gefühle doch nur Liebe sein konnten, oder? Hatte ich mich ernsthaft in Ikki verliebt? Vielleicht sollte ich es ihm sagen und vielleicht würde er dann aufhören mit anderen neben mir zu schlafen. Vielleicht…
Vorsichtig stand ich auf und sah zum Fenster hinaus. Der Mond stand geradeso über dem Horizont und schaute durch einige höhere Gebäude hindurch. Der Schein des Lichts tauchte die Umgebung in ein mystisches Ambiente. Zwei Besoffene prügelten sich gerade nicht weit von meinem Haus entfernt und ein ältere Frau beobachtete die beiden vom gegenüberliegenden Gebäude. Für eine gefühlte Ewigkeit betrachtete ich gedankenlos den Anblick. Dann stand ich plötzlich ruckartig auf, ging zum Bad und übergab mich.
Etwas zwei Stunden später saß ich verheult wieder in meinem Zimmer. Das Bild von Toma lag in Scherben am anderen Ende des Zimmers und Blut lief über meine Füße, weil ich das Licht nicht angemacht hatte und in die Scherben getreten war. Ich wollte mich eigentlich wieder schlafen legen, doch ich konnte einfach nicht. So passierte es, dass ich mich entschied mich einfach in die Wanne zu legen. Vielleicht würde ich ja dadurch verbluten mit der Schnitt an meinem Fuß, auch wenn mir der Gedanke lächerlich vorkam. Anstatt dass ich verblutete, schlief ich in der Wanne ein und ertrank fast, leider nur fast.

So brach letztendlich ein neuer Tag an. Mit gigantischen Augenringen saß ich in der Uni und starrte komplett neben der Spur meinen Dozenten an. Sawa neben mir schaute erst nur ständig zu mir, aber letztendlich traute sie sich doch mich anzusprechen. „Du warst jetzt über eine Woche nicht mehr in der Uni… Ich hab mir irgendwie Sorgen gemacht. Ehrlich gesagt siehst du auch immer noch nicht ganz gesund aus.“ Sie hatte natürlich keine Ahnung was vorgefallen war. Wieso war ich auch davon ausgegangen? „Ja, gesund würde ich mich auch nicht nennen… Und tut mir Leid, dass ich dir Sorgen bereitet habe.“, meinte ich nur ein wenig mürrisch, woraufhin sie lächelte. „Hey, ich hätte dich den einen Tag nicht so anfahren sollen. Das tut mir Leid. Du hast dich sicher dort schon nicht so gut gefühlt.“ Ich nickte nur, obwohl es sich mein „nicht so gut fühlen“ eher auf eine psychische Ebene bezog, wovon sie nun nicht auszugehen schien. „Vielleicht können wir nochmal von vorne anfangen?“, fragte sie beinahe liebenswürdig. Ich musterte sie kurz skeptisch, dann rang ich mir aber einen netteren Gesichtsausdruck ab und sagte: „Gerne.“ Immerhin brachte dieser Tag wenigstens etwas Gutes.
Später ging ich mit Sawa nach Hause und sie klärte mich darüber auch, was ich in der Uni verpasst hatte und danach darüber, was ich im Café verpasst hatte. Dazu sagte ich nur, dass ich noch nicht wieder im Café arbeiten könnte. Dem stimmte sie vollkommen zu. Dann begann sie ununterbrochen über ihren Sportverein zu quatschen und ich hörte einfach schweigend zu. Mir war wirklich nicht nach Reden zumute. Bis auf einmal uns Ikki, der uns allerdings noch nicht bemerkt hatte, über den Weg lief. Er hatte einen Arm um ein Mädchen gelegt, das er schließlich auch küsste. Ich knirschte angepisst mit den Zähnen. „Hey Ikki!“, meinte ich Sawa freundlich, woraufhin der Angesprochene überrascht aufsah. Mit einem Lächeln begrüßte er uns: „Hallo ihr beiden! Schon auf dem Heimweg?“ Er tat tatsächlich so, als würde ihn das alles nichts angehen, als wäre nie zwischen uns etwas vorgefallen und als würde er nicht ganz genau wissen wie ich mich in diesem Moment fühlte. So kindisch es mir auch schien, aber ich hatte keine Lust, ihm jetzt noch zu antworten. „Shin, alles wieder gut?“ Ich nickte nur ein bisschen, dann zupfte auch schon das Mädchen neben Shin an seinem Ärmel und lächelte sie an. „Na gut, wir müssen dann mal weiter. Schönen Tag noch!“ Er hatte sich nicht einmal danach erkundigt, warum ich solche Augenringe hatte oder nach der Uni oder nach irgendwas sonst. Ich wollte doch nur, dass er wenigstens ansatzweise sich sorgte. Immerhin ging es mir mehr als dreckig und schaffte das alles nicht alleine, aber ihn schien das nicht zu interessieren, da er mich 3 Tage bei sich aufgenommen hatte und das war ja mehr als genug. Jetzt konnte ich wieder ein Fremder für ihn sein, eine wertlose Affäre, richtig? Ich wollte mich noch bei ihm bedanken, aber ich hatte nicht einmal seine Nummer! „Shin, ist alles in Ordnung?“, fragte Sawa plötzlich von der Seite. Ich war so in Gedanken gewesen, dass ich gar nicht mehr bemerkt hatte, wo ich war und dass ich Tränen in den Augen hatte. Ich begutachtete sie für eine Sekunde vollkommen neben der Spur, dann meinte: „Ja, tut mir Leid. Ich war gerade abwesend.“
In diesem Moment fiel mir auf, dass Toma aus dem Café schaute und uns offensichtlich die ganze Zeit beobachtet hatte. Ich ließ mir nicht anmerken, dass ich ihn gesehen hatte. Verdammt, was sollte ich jetzt tun? Ich war viel zu aufgewühlt, um irgendwas zu tun. Auf einmal kam mir ein Gedanke, was Ikki konnte, das konnte ich ja wohl schon lange! „Sawa, hast du Lust noch einen Café mit mir zu trinken?“, meinte ich also und lächelte sie charmant an. Sie lief schlagartig rot an und stotterte: „Na-natürlich, gerne! Ich kenne da ein super Café, aber das liegt in der anderen Richtung.“ „Kein Problem, ich folge dir, wohin du auch willst.“ Sie wurde total nervös, vor allem als ich dann noch einen Arm um sie legte. So gingen wir letztendlich und mal wieder ließ ich Toma alleine irgendwo stehen, aber dieses Mal mit voller Absicht.

Save the Game? Yes or No?
~Ich hoffe, dass es euch gefallen hat! Wie wird es nur weitergehen? Wie lange hält Shin diese Situation noch aus? Und kann Toma mit all dem umgehen? Was denkt sich Ikki eigentlich dabei? All das erfahrt ihr im nächsten Kapitel von Tanz der Karten!
Eure DarKira~

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