Tanz der Karten – Kapitel 14

~Hey Leute, heute gibt es von mir mal wieder ein neues Kapitel von Tanz der Karten. Allerdings habe ich dieses Mal nicht aus Shins Sicht geschrieben. Ich hoffe, dass es euch trotzdem gefällt!~

Als Shin mir gestand, was mit Ikki vorgefallen war, drehten meine Nerven einfach durch. Ehe ich mich versah, hatte ich ihn schon zum Schlafen gebracht und war auf dem Weg zum Tanzsaal, wo Ikki noch sein musste. Er stand unten und redete mit seinem „Freund“, den Shin und ich damals im Café kennengelernt hatte. Wie hieß er doch gleich? K… Kent, genau! Der Rest der Teilnehmer am Tanzkurs war bereits gegangen. Wütend ging ich nun auf Ikki zu und schrie ihm meine Meinung entgegen: „Warum hast du Shin so etwas angetan?! Wie konntest du nur!?! Dabei hast du sogar noch einen Freund!“ Ikki starrte mich an als wäre ich ein Alien und Kent hingegen verzog keine Miene. Dann sah letzterer nur zu Ikki und nickte kurz, woraufhin der Angesprochene nur eine abfällige Geste machte. Das war wohl die Einverständniserklärung dafür, dass mich Kent beiseite zog und in sicherem Abstand zum Tanzlehrer erklärte: „Du musst wissen. Wir sind nicht in dem Sinne zusammen, dass es mich annähernd stören würde, wenn er mit anderen schläft.“ Mir fielen die Augen aus dem Kopf. Was war das denn für eine verkorkste Beziehung?! Wer will denn so etwas? Er schien meinen Gesichtsausdruck richtig deuten zu können und fuhr fort mit den Worten: „Ich weiß, das ist nicht jedermanns Sache. Allerdings schlafen wir kaum miteinander, weil ich es nicht will, aber er braucht das halt. Also hab ich ihm gesagt, dass er mit jedem tun und lassen kann, was er will, nur dürfen niemals solche Gefühle im Spiel sein wie die, die er für mich hat.“ Er erzählte so ruhig und kalt, als würde er über etwas reden, das ihn überhaupt nichts anging. Es beeindruckte mich und machte mir auch ebenso Angst. „Wie hältst du das aus?“ „Indem ich ihn ankonditioniert habe, dass er für niemand anderen Gefühle entwickeln kann.“
Hatte ich das richtig verstanden? Kent hatte seinen Freund antrainiert, dass er sich in niemand anderen verlieben konnte? Das bedeutet, er hatte ihn auf sich geprägt. Ich hatte gehört, dass so etwas möglich war, aber konnte es eigentlich nicht richtig glauben. „Wie hast du das denn bitte gemacht?“, fragte ich ihn also irritiert. „Ich habe ihm klar gemacht, dass er nichts anderes als mich braucht zum Leben und ihn für gewisse Zeit von der Außenwelt isoliert, sodass er sich nur noch auf mich konzentrieren konnte und nun ist er abhängig.“ Er klang so sachlich, dabei lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken, als ich mir den sonst so sozialen Ikki abgeschottet von der Umwelt vorstellte wie ihn sein Freund auf sich prägte. „Muss das nicht schlimm für ihn gewesen sein?“ „Am Anfang vielleicht, aber mit der Zeit kommt die Gewöhnung und irgendwann hatte er Verständnis dafür.“, erklärte Kent nur. In diesem Moment fragte ich mich ernsthaft, ob ich so etwas mit Shin machen könnte. Dann müsste ich nie wieder fürchten, dass er mich nicht will, dass er jemand anderen nimmt und mich einsam im Laternenlicht stehen lässt. Die Erinnerung war immer noch so schmerzhaft. Warum konnte er nicht einfach mir gehören? In meinen Überlegungen vergaß ich beinahe den Grund, weswegen ich überhaupt hergekommen war.
„Gut, aber trotzdem hat Ikki keinen Grund dazu, jemanden zu erpressen, damit diese Person mit ihm schläft.“ Das war das erste Mal, das Kent eine Reaktion zeigte. Er zog eine Augenbraue nach oben. „Ach…hat er das?“ „Durchaus…“, zischte ich nur angepisst. „Interessant, das hatte ich nicht von ihm erwartet, aber tatsächlich kann er ziemlich radikal sein, wenn er etwas möchte. Zumal er es nicht verkraftet, wenn es doch mal vorkommt, dass ihn jemand nicht will. Allerdings wird er höchstwahrscheinlich auch nicht nochmal mit Shin schlafen. Immerhin wollten bis jetzt alle mehr von Shin, wenn sie einmal mit ihnen geschlafen hatte und genau das macht sie uninteressant für ihn, höchstens nur noch für das Vergnügen nebenbei.“ Nun knirschte ich mit den Zähnen. Ikki war nun noch weiter in meinem Ansehen gesunken und dass Kent scheinbar keinerlei Problem damit hatte, dass sein Freund jemanden erpresst hatte, machte es nicht besser. „Nur weil er es nicht noch einmal tut, macht es das nicht besser! Außerdem schien Shin nicht so, als ob es ihm irgendwie gefallen hätte oder dergleichen!“ Ich schrie so laut, dass Ikki offensichtlich mitbekommen hatte, da er begann zu lachen. „Du hättest ihn sehen müssen. Es hat ihm definitiv gefallen.“, meinte er belustigt. Nun brannten meine Nerven entgültig durch. Ich ging wütend in seine Richtung, woraufhin er ein paar Schritte zurück ging. Mein Gesichtsausdruck musste dem eines Mörders gleichen nach der Skala meines Zorns. Als ich nah genug war, holte ich auf und knallte ihm meine Faust ins Gesicht. Der Tanzlehrer verlor tatsächlich sein Gleichgewicht und ging zu Boden. Dieser geschockte Ausdruck in seinem schmerzverzerrten Gesicht war mir tatsächlich eine Genugtuung, sodass ein kurzes Grinsen über meine Lippen huschte. Allerdings machte ich mir in dieser Sekunde selbst Angst, weswegen ich mich schleunigst umdrehte und ohne ein weiteres Wort ging.
Eigentlich hatte er es verdient zu sterben für das, was er Shin angetan hatte. Es konnte Shin nicht gefallen haben mit diesem Perversen zu schlafen, niemals! Innerlich wollte Shin doch eigentlich nur mich, richtig? Vielleicht sollte ich ihn tatsächlich auf mich prägen, damit er niemals wieder auf Abwege geriet. Nein, er wurde doch erpresst, also war das kein Abweg. Trotzdem war es vielleicht nicht schlecht ihn auf mich zu prägen, immerhin gehörte er dann wirklich mir und vor allem könnte ich ihn besser vor dieser Welt und vor allem vor Ikki schützen. Solange er bei mir war, würde es ihm gut gehen, richtig? Nur dann würde er wirklich glücklich werden, in meinen Armen isoliert von all der Grausamkeit in dieser Welt! Shin musste mir gehören, nur dann wäre ich fähig glücklich zu werden und er doch ebenso.

Allerdings lief alles anders als geplant. Ich durfte ihm laut der Beschreibungen im Internet nicht sagen, was ich vorhatte, weil es sonst nicht funktionieren würde. Doch er verlangte Erklärungen und er litt mehr als ich es erwartet hatte. Ich war in Sorge um ihn und versuchte immer wieder neue Dinge um ihn glücklich zu machen, doch er stellte sich komplett quer. Er schien nicht einmal sehen zu wollen, was ich alles für ihn tat. Meine Angst wurde immer größer und ich klammerte mich immer mehr daran, dass der Plan irgendwann funktionieren müsste. Wenn ich ihn jetzt auf der Hälfte einfach gehen ließ, dann würde er nie wieder ein Wort mit mir reden. Nur noch der Plan konnte mich aus dieser misslichen Lage befreien, nur noch der Plan ihn auf mich zu prägen könnte ihn wieder in meine Arme treiben. Alles lief anders. Unter all meinen Recherchen und Überlegungen vergaß ich in die Uni zu gehen oder ins Café. Ich vergaß die komplette Außenwelt, nur noch er zählte für mich. Shin musste wieder glücklich werden, aber was sollte ich nur machen? Ich hatte fürchterliche Angst und Sorge um ihn, doch eines Tages passierte es dann.

Meine Worte waren absolut ehrlich, also musste er es doch verstehen oder nicht? Aber er verstand es nicht und sein Blick und seine Worte taten so schrecklich weh. „Es tut mir Leid. Ich will dich nicht verletzen.“ Nein, ich wollte einfach nur, dass er glücklich mit mir wird. „Du nervst mich, verdammt. Du nervst und du bemerkst nicht einmal, dass es mir ganz und gar nicht gut geht damit, dass du mich gefangen hältst.“ Natürlich hatte ich es bemerkt, doch er bemerkte nicht einmal wie verzweifelt ich meine Kochkünste übertraf, damit es ihm schmecken würde, wie ich ständig die Kissen in seinem Käfig auffrischte und ihm eigentlich bot, was sein Herz begehrte. Er musste doch nur ein Wort sagen, doch er wollte einfach nur raus. Das war das Einzige, was ich ihm momentan noch nicht bieten konnte. „Man kann mich ruhig verletzen, verstehst du? So zerbrechlich bin ich nicht! Lass mich einfach gehen und mach dir keine Sorgen um mich. Ich kann mich schon wehren, außer in deinem Fall vielleicht, aber das übertritt auch sämtliche Grenzen des Bösartigen.“ „Was war das dann mit Ikki?“ „Ich habe mich freiwillig verletzen lassen, damit er dich nicht verletzt, verdammt! Ich hab das doch alles nur für dich gemacht, du verdammter Vollidiot! Außerdem so schlimm war es auch wieder nicht, eher im Gegenteil.“ Ich war fassungslos und komplett erstarrt. Also hatte es ihm doch gefallen. Ikki und Kent hatten recht gehabt. Konnte ich nichts mehr dagegen tun? War er schon von Ikki abhängig? War ich zu spät gekommen? War alles für umsonst gewesen? „Shin, was soll das heißen? Also liebst du ihn?“ Mein geschockter Blick traf auf seinen abwertenden. Dieser Art erschreckte mich an ihm. Ich hatte ihn noch nie so erlebt. „Nein Toma, ich habe dich geliebt. Er hat mich nur erpresst damit, dir zu sagen, dass zwischen ihm und mir etwas lief und ich wollte nicht, dass du es erfährst, also habe ich alles getan, was er von mir verlangt hat, dafür dass ich dich nicht verliere.“ Er liebte mich? Hieß das, dass ich ihm nur meine Liebe hätte gestehen müssen und alles wäre gut gewesen? Plötzlich grinste er so schrecklich bösartig, dass ich noch mehr Angst bekam. „Shin…?“ Als er seine Hand an meine Wange legte, begann mein Herz zu rasen. „Du hast mich zu diesem Punkt gebracht, dass mir deine Meinung egal ist. Ich liebe dich nicht mehr.“ Seine Hand krallte sich in meine Haare und er zog meinen Kopf unsanft zu seinem. „Dieses Leben ist mir so egal geworden. Hast du gut hinbekommen.“ „Shin…“ Ich konnte die Tränen einfach nicht mehr unterdrücken. Was hatte ich ihm nur angetan? Er war vollkommen durchgedreht! Wieso war mir nicht vorher aufgefallen, dass seine Psyche so sehr litt?! Er lachte furchtbar angsteinflösend. „Hey Toma, wie wäre es, wenn du mich einfach gehen lässt. Heroine macht sich doch bestimmt große Sorgen, wo ich nur abgeblieben bin, nicht? Du hast bestimmt große Problem zu verheimlichen, was du deinem Geliebten angetan hast. Du bist lächerlich, weißt du das?“ In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, dass ich meine Außenwelt komplett vergessen hatte. Ich war nicht an mein Handy gegangen und Shin ebenso nicht. Nirgendwo in der Öffentlichkeit war ich aufgetaucht. Jeden Moment könnte Heroine mit dem Ersatzschlüssel zu meiner Wohnung kommen und fragen, was los ist. Wie konnte ich nur so idiotisch sein?! Ich drückte ihn auf den Käfigboden, damit er mir endlich mal zuhörte. „Es tut mir so Leid, Shin. Ich kann jetzt nicht mehr umdrehen, nicht jetzt.“ Plötzlich kratzte er über meinen Oberkörper, worauf ich nicht gefasst war. „Eine Entschuldigung bringt dich keinen Schritt weiter. Nimm dir doch einfach ein letztes Mal meinen Körper, anstatt mir beim Verrecken zuzusehen.“ Ich war so unglaublich verwirrt. Warum tat er das plötzlich? Warum war er auf einmal so? Er biss mir wirklich schmerzhaft in den Hals und meine Wahrnehmung für die Umwelt schaltete sich aus. Allerdings versuchte ich ihn trotzdem wegzudrücken, da es einfach zu schmerzvoll war. Plötzlich klingelte es an der Haustür, woraufhin ich mich panisch aufrichtete. Shin hatte den Schlüssel in der Hand und die Tür aufgeschlossen. Ich sah ihn wütend und verzweifelt an. Mir ging so vieles durch den Kopf, aber meine Atmung und mein Puls rasten. Alles um mich herum war verschwommen. Er durfte jetzt nicht schreien, also legte ich ihm schnell eine Hand an die Kehle. Ich bekam nicht mehr wirklich, was um mich herum geschah. Er schrie oder etwa nicht? Jemand kam herein oder nicht? Heroine? Nein, nein, nein, was geschah hier? Was hatte ich getan? Was hatte ich nur getan? Was hatte ich nur getan? Ich war versteinerte, ließ geschehen, was geschehen sollte und starrte nur noch gegen die Wand. Was hatte ich Shin nur angetan? Ich wollte ihn doch nur schützen…
In diesem Moment fiel es mir dann auf. Shin hatte mich viel mehr auf sich geprägt als anders herum. Es war wirklich alles anders gekommen, als ich es geplant hatte. So saß ich höchstwahrscheinlich mehr als einen Tag in dem Käfig und starrte entsetzt ins Leere und zerfloss in Tränen.

Save the Game? Yes or No?
~ So das war es mal wieder mit Tanz der Karten. Ich hoffe, ihr hattet Spaß! Hinterlasst mir doch mal einen Kommentar, wie ihr Tomas Sicht der ganzen Situation fandet? Und wie wird es nun mit Shin weitergehen? War es wirklich clever von Shin bei Ikki zu übernachten? Was hat Toma nun vor zu tun, wo er Shin scheinbar für immer verloren hat? All das und noch mehr erfahrt ihr im nächsten Kapitel von Tanz der Karten!~

 

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