Mystery Dreams – 1. Tag Erde

„Töte sie! Hab‘ kein Erbarmen! Sie sind es nicht würdig unter uns zu leben. Sie sind nichts weiter als abscheuliche Mischlinge. Von Regelbrechern geschaffen, ohne Manieren, ohne Würde…Töte sie! Hörst du? Zeige keine Gnade vor diesen wertlosen Geschöpfen! Töte sie ehe sie einen schlimmen Fehler begehen!“ Mit lauter Stimme schrie der Fürst seinen Sohn an. „Ja Sir.“, erwiderte dieser ernst, fast monoton. Dann wandte er sich ab, um diesem Befehl nachzugehen.

„AHHHHH!!!“ Schreiend wachte Midge auf. Das dunkelblonde Haar hing ihr zerzaust im Gesicht. Die graugrünen Augen starrten entsetzt geradeaus. „Midge! Schätzelchen, alles in Ordnung?“ Midges Mutter kam hereingerannt. „Ja, aber ich hatte einen seltsamen Traum…“ Midge warf einen Blick auf die Uhr. „WAAH! Warum hast du mich nicht geweckt?!“ Sie starrte kurz entsetzt die Uhr an. Dann sprang sie auf und rannte zu ihrem Kleiderschrank. „Es war so eine Lautstärke hier oben, da dachte ich, du seist wach.“, meinte ihre Mutter nur. „In ein paar Minuten geht mein Bus!“, schrie Midge und kramte all ihre Sachen zusammen. Verzweifelt und völlig durch den Wind warf sie alle Sachen herum. „Hast du deine Tasche gepackt, Schätzchen?“, fragte ihre Mutter besorgt. „Scheiße!“ „Und was ist mit den Hausaufgaben?“ „Die wollte ich ursprünglich jetzt noch machen. Daraus wird wohl nichts.“, antwortet Midge, während sie ihre Tasche packte und noch schnell die Haare kämmte. „Hast du für die Geschichtsklassenarbeit gelernt?“ Die zerstreute Midge hielt kurz schockiert inne. Dann hetzte sie weiter. „Oje… Was ist mit den Frühstück?“ „Vergiss das Frühstück!“, schrie Midge in ihrer Panik. Dann krallte sie sich einige Sachen und rannte zur Tür heraus. „Midge, deine Rucksack!“, rief ihr ihr Vater hinterher. Schnell schnappte sich das aufgelöste Mädchen ihren Ranzen und rannte los zur Bushaltestelle.
„Halt! Nicht abfahren!“, schrie Midge aus ganzer Kehle, doch es war zu spät. Der Bus war ohne sie gefahren. „Oh nein…“ Sie wollte nach ihrem Handy greifen, um ihre Mutter zu fragen, ob sie sie zur Schule fährt. Als ihr auffiel, dass sie das Handy doch bei Elizabeth, ihrer besten Freundin, vergessen hatte. Ihr blieb nichts anderes übrig als zur Schule zu rennen. Zum Glück besaß die eigentlich ziemlich sportliche Midge eine gute Ausdauer. Also rannte sie sofort los nach Portmeirion, das Dorf zudem ihr Haus eigentlich auch noch gehörte. Sie rannte an den bunten Häusern vorbei durch das idyllische Dörfchen, wobei der Begriff Dorf doch recht weit hergeholt schien. Portmeirion hatte sogar Schloss und Hotel und galt als beliebtes Touristendorf. Aber das war wohl auch selbstverständlich, so eine friedliche und naturfreundliche Gegend gab es nur an wenigen Flecken der Erde. Midge faszinierte immer wieder wie es keinen störte, dass so viele Pflanzen ihr Haus umwucherten, sodass sie manchmal sogar Angst haben mussten, dass irgendwelche Bäume ihr Haus zertrümmern. Die Stadt kam ihr manchmal fast etwas altmodisch vor, aufgrund des ganzen Grüns und des Schlosses, was sie aber absolut nicht störte. Sie mochte, dass die Stadt etwas an ihren ursprünglichen Glauben und den alten Traditionen festhielt.
Irgendwann kam sie endlich an der Schule an. Gerade rechtzeitig betrat sie das Schulgelände und schaffte es völlig außer Atem im Klassenzimmer anzukommen, nur um dann festzustellen, dass der erste Block ausfiel. „Ist das nicht super? Wir haben Ausfall!“, kam ihr ihre Freundin Elizabeth entgegen. Wie immer trug die eher kleine Liz ihre braunen glatten Haare offen und hatte ein dünnen Haarreifen im Haar, damit ihr ihr Pony nicht so ins Gesicht fiel. Passend zu dem Haarreifen hatte sie oftmals ein Armreif um. Zusätzlich trug sie meist eine Kette, die ihr anscheinend sehr wichtig war. Etwas mürrisch und immer noch leicht außer Atem gab Midge nur ein zustimmendes „Mhh…“ von sich. „Was war denn los?“ „Ach Liz…Ich hab‘ verschlafen und…“, völlig geschafft erzählte Midge von ihrem Morgen. Sie ließ dabei jedoch ihren eigenartigen Traum aus. In dieser Zeit begaben sich die beiden langsam auf den Schulhof. Dort angekommen wurden sie direkt von der beliebtesten Mädchengang der Schule dumm angepöbelt. An der Spitze dieser Truppe stand Stacy, die etwas von Trottel… Außerseiter… uncool… Anime-Freaks… und dergleichen faselte. Weder Midge noch Liz hielten es für nötig zuzuhören, darum gingen sie desinteressiert weiter. Nach ein paar Minuten tauchte aber schon der nächste Störenfried auf. Es war Jason, ein Kerl aus Midges Klasse. „Na du Lusche, wärst heute aber total zu spät gekommen, was?!“, meinte die Pickelvisage mit den kackbraunen Haaren und der nichtssagenden Frisur in seiner groben lauten Art. Midge ignorierte ihn, aber Elizabeth hatte anscheinend einen netten Einfall. „Ach Jason! Gut, dass du da bist. Wir sollten dir von Stacy ausrichten, dass sie dich will und zwar ganz in 5 Minuten im Matheraum.“ Jason war von diesen Worten anscheinend seeehr angetan und machte sich, naiv wie er war, sofort auf den Weg. „Liz, was hast du vor?“, fragte Midge nun etwas irritiert. „Verarschen wir Stacy.“, meinte sie mit einem ihrer vielsagenden Grinsen. Midge war mit diesem Vorhaben auch sofort einverstanden. „Hey Stacy!“, meinte Liz nun zu der Obertusse. „Was ist ihr Luschen?“ „Jason sagte gerade, er wollte mit dir nochmal wegen der Mathenachhilfe reden.“ Stacy lief rot an, anscheinend schien Elizabeth ins Schwarze getroffen zu haben. „Jetzt gleich im Matheraum.“, meinte sie spöttisch grinsend. Auch Stacy machte sich sofort auf den Weg und schien froh, dass ihre ach so coolen Freundinnen nicht da waren, um das mitzukriegen. „Ohh, wie fies von dir.“, sagte Midge lachend, doch Liz korrigierte sie: „Wie fies von uns.“ Beide lachten amüsiert, bis Liz auffiel: „Wusstest du eigentlich, dass wir einen neuen Lehrer an der Schule haben?“ „Nein, was denn für ein Lehrer?“ „Ich weiß es nicht genau, aber er soll ein spitzen Lehrer sein und er kommt aus Japan!“ „Was?! Ehrlich?!“ „Ja!“ Daraufhin klingelte es bald zur nächsten Stunde in der Meirion High School und die zwei Freundinnen machten sich auf den Weg zum Physikunterricht.
Der neue Physiklehrer sah sich kurz schweigend in der Klasse um, bis absolute Stille herrschte. Dann erklärte ruhig: „Wie ihr sicher schon gehört habt, bin ich der neue Austauschlehrer aus Japan. Nennt mich Professor Bisumo! Also ich bin schon viel um die Welt gekommen und habe an einigen Schulen unterrichtet. Und ich muss sagen, eure Schule ist die erste Schule, die ich gesehen hab‘, an der so ein Lehrermangel herrscht. Eure Lehrerin ist zusätzlich vermutlich für eine längere Zeit erkrankt. Das heißt, ich werde wohl für eine durchaus längere Zeit an dieser Schule bleiben als geplant.“ Von manchen Gesichtern las man Entsetzen ab, von manchen Entnervtheit, aber in Midges Gesicht spiegelte sich nur Freude wider, denn dieser Lehrer war nicht nur waschechter Japaner, sondern sah auch noch ziemlich gut aus. Und so verging langsam die Physikstunde, doch für Midge verging sie fast zu schnell. Nach gefühlten zehn Minuten klingelte es schon zur zweiten Hofpause.
Auf dem Pausenhof angekommen werteten die beiden Mädchen erst einmal ihren neuen Lehrer aus. Beide waren der Meinung, dass dieser ein wirklich süßes, gepflegtes Äußeres und sanfte, weiche Gesichtszüge hat. Und von seinen seidigen, schwarzen, welligen Haaren ganz zu schweigen. Midge schwärmte noch eine Weile von dem Professor. Irgendwann aber fiel ihr wieder ein: „Ach Liz, da fällt mir ein. Hast du manchmal auch solche total komischen Träume?“ „Was meinst du?“ „Naja, ich hatte diese Nacht einen seltsamen Traum. Es war eine Verfolgungsjagd. Ein blonder Mann mit einem ernsten, fast verbitterten Gesichtsausdruck war hinter einem Schwarzhaarigen her. Er schoss die ganze Zeit mit einer Waffe, die anscheinend Laserkugeln abfeuert. Der andere wich regelmäßig aus, startete gelegentlich Gegenattacken, in denen er, glaube ich, Telekinese, aber auch anderes, anwendete. Aber hauptsächlich versuchte er zu fliehen. Und letztendlich wurde der Gejagte von einem Angriff in einen Brunnen geschleudert… Dann bin ich aufgewacht.“ Elizabeth hörte ihrer Freundin aufwerksam zu und dann stellte sie die Diagnose auf: „Du leidest unter Animeentzug!“ Die arme Midge hatte nämlich absolutes Animeverbot von ihren Eltern bekommen, da ihre Noten in der Schule langsam aber sicher zu wünschen übrig ließen. Midge misstraute diesen Worten erst, dachte nach und antwortete schließlich: „Du wirst wohl recht haben.“ „Hey, du hast doch heute Chorausfall, oder?“ „Jep.“ „Wie wäre es, wenn du dann mit zu mir kommst und dann ziehen wir uns einen richtig schönen Anime rein?“ „Super Idee!“
Daraufhin fing auch schon die letzte Blockstunde an. Sie hatten Geschichte und Midge hatte schon wieder vergessen, dass sie eine Klassenarbeit schreiben sollten. Die Klasse litt also unter der Klassenarbeit, während die Klassenlehrerin genüsslich lachte. Kleiner Scherz, das tat sie natürlich nicht. Midge war man verzweifeln und beschrieb alles so ausführlich, wie sie konnte. Irgendwann hieß es: „5 Minuten noch.“ Midge stellte geschockt fest, dass sie gerade mal bei Aufgabe 3 von 5 war. Es war der Klasse deutlich anzumerken, dass es vielen so gehen musste. Damit endete die Stunde und alle verließen die Klasse.
„Die Klassenarbeit war scheiße!“, meckerte Midge auf dem Weg zu Liz. „Ohjaa…“ Völlig frustriert erzählten sie einander, was sie garantiert falsch hatten und was nicht, bis sie irgendwann bei Elizabeth ankamen. „So jetzt erhälst du die ultimative Therapie gegen böse Träume!“, sagte die nun putzmuntere Liz während sie ihre Schultasche in die Ecke schmiss und zum Fernseher ging. „Ja, Frau Doktor. Was denken sie denn, könnte mir am ehesten helfen?“, fragte Midge nun auch wieder etwas heiterer. „Eine Chrno Crusade Therapie!“, erklärte Liz freudig. Sie legte eine Dvd in den Dvd-Player und so schauten sie Chrno Crusade. An manchen Stellen mussten die beiden Freundinnen weinen, da die Geschichte Rosettes und Chronos ihnen so ans Herz ging. Irgendwann schliefen sie jedoch ein.
Ein lautes Gähnen entwich Midge als sie sich streckend aufrichtete und sie mit den Händen über die Augen wischte. Verträumt richtete sie einen Blick auf die Uhr und stellte aufeinmal fest: „Scheiße, ich komm zu spät zum Japanischkurs!!“ Die noch schlafende Liz war nun auch munter. „Oh man, wie lange haben wir geschlafen?“ „Zu lange! Ich geh dann mal.“, sagte sie hastig und schnappte sich ihr Handy und ihre Schultasche. „Tschüss und viel Spaß!“, rief ihr Elizabeth hinterher. Und schon rannte Midge zurück zur Schule an einer wunderschönen Waldlandschaft vorbei. Mit den Worten „Tschuldigung, hab’s verpeilt!“, kam sie in die Klasse gestürmt. Sie schmiss ihre Tasche neben die Schulbank und… setzte sich neben den Stuhl auf den Boden. Die ganze Klasse lachte lautstark und die Ärmste lief knallrot an. Beschämt stand sie auf und setzte sich auf den Stuhl. Jetzt bemerkte sie erstmal, dass sie einen Vertretungslehrer hatten. Professor Bisumo grinste sie belustigt an. „Was ist denn mit dir los? Ziemlich zerstreut, mhh?“ Nun lief Midge noch roter an und senkte nur den Kopf. „Naja, jetzt hab ich einen Spitznamen für dich, Bodensetzerin.“ Die Klasse lachte erneut. „Also, fangen wir mit dem Unterricht an! Da ich nicht genau weiß, wo ihr stehen geblieben wart, werden wir heute einfach einen Manga zeichnen. Ich bin sicher, ihr wisst alle, was ein Manga ist und wie er aufgebaut ist. Wer weiß es nicht? Bitte melden!… Sehr schön! Na dann, zeichnet eine kurze Szene! Es ist egal, um was es geht.“ Nach kurzem Überlegen fiel Midge ein, was sie zeichen konnte. Sie malte den eigenartigen Traum, den sie gehabt hatte. Nach einiger Zeit ging Prof. Bisumo durch die Reihen, um sich die Ergebnisse anzusehen. „Ist das nicht etwas brutal für eine 15 jährige?“, fragte er erstaunt, nachdem er Midges Zeichnung sah. Der so genannten Bodensetzerin war die Situation sehr unangenehm. Prof. Bisumo stand direkt hinter ihr und beugte sich leicht nach vorn, um Midges Zeichnung besser betrachten zu können. Sie war ihm viel zu nah, um die Fassung bewahren zu können. Ihr Herz raste und ihr Gesicht färbte sich in einem tiefen Rot. „Ja, das ähmm…das hab‘ ich geträumt.“, stotterte sie. „Achso?“ Er richtete sich wieder auf und ging zurück zur Tafel. „Die Stunde ist damit beendet. Ach Bodensetzerin, da du als Letzte gekommen bist, kannst du ja auch als Letzte gehen und noch die Stühle hochstellen.“, meinte der Professor selbstsicher. „Äh…äh…natürlich.“, antwortete die verlegene Midge. Dabei wusste sie doch genau, dass sie ihren Bus verpassen würde. So schnell sie konnte stellte sie die Stühle hoch und rannte raus. „Halt! Nicht abfahren!“, schrie Midge aus ganzer Kehle, doch es war zu spät. Der Bus war ohne sie gefahren. „Oh nein… Déjà vu.“ Mehr oder weniger depremiert ging sie nach Hause.
„Schätzelchen, wo warst du denn so lange?!“ Midges Mutter kam Midge panisch entgegen gerannt. „Tut mir Leid, ich musste noch die Stühle hochstellen, da hab‘ ich den Bus verpasst.“ Aufeinmal fragte Midges Vater, der gerade um die Ecke gekommen war: „Na Midge, wie lief die Klassenarbeit?“ „Schlecht…ich hab 2 Aufgaben nicht geschafft.“ „Von wie vielen?“ „5.“ Midges Vater musste erstmal schlucken. „Oh Gott, dann hoffen wir mal das Beste.“ „Ich würde gerne hochgehen und mich ausruhen.“ „Tu das.“ Ihre Mutter akzeptierte das aber nicht: „Midge, ist alles in Ordnung?“ „Ja, Mutti.“ „Und was ist mit Abendbrot?“ „Nein, ich hab kein Hu…“ In diesem Moment hörte man aus lautem Protest herraus Midges Magen knurren. „Na gut, ich ess was mit.“ Nach dem Abendbrot ging Midge hoch, machte sich fertig und legte sich direkt schlafen. Und ein weiterer eigenartiger Traum fing an.

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