Kapitel 4

~Heute ist der 11. Dezember und ich zeige euch ein weiteres Kapitel unseres schönen Rollenspiels. Dies ist die Entlüftung des unglaublichen Geheimnisses von Axtan. Ich habe es ja schon oft angedeutet, aber jetzt wird es ausgesprochen. Doch wie reagiert Kinasato nur darauf? Viel Spaß beim Lesen!~

 

Um diese Tageszeit war in der Taverne nicht allzu fiel los, weshalb eine fast beunruhigende Stille herrschte, als sie die Taverne schweigend betraten. Eine kleine Magierin in einem grünlichen Kleid stellte gerade einen Bierkrug vor einem anderen Magier, der den Krug ohne zu bedanken entgegen nahm. Er wirkte etwas furchteinflösend mit seinem eiskalten Blick, der Ax und Kina sehr genau musterte. Ax sah unauffällig zu ihm herüber, denn irgendetwas gefiel dem Gestaltenwandler an ihm nicht. Währenddessen kam die junge Kellnerin auf die beiden zu. So wie sie aussah, schien sie eine Auszubildende, die sich neben ihrer Ausbildung etwas Gold hinzu verdiente. „Der Gastwirt musste kurz weg und ich vertrete ihn. Was kann ich denn für Euch tun?“, meinte sie mit ausgesprochen junger Stimme.

Der Schattenläufer musterte die Frau in dem grünen Kleid. Langsam zweifelte er an seiner Intelligenz, dass er ausgerechnet in ein Magierdorf gegangen war. Wäre er zur Zeit nicht so bequem würde er wahrscheinlich Ax aus diesem Dorf schieben, denn den Gestaltenwandler schien es in dem Dorf zu gefallen. Er kam mit seinen Gedanken wieder in die Realität zurück und antwortete der Auszubildenden, während er seinen Arm hob und der Kopf des Säuglings vor ihrem zarten Gesicht baumeln ließ. „Ich will mein Gold für den Kopf.“ Er grinste, als er bemerkte, dass die Magierin blasser wurde.

Axtan hatte fast etwas Mitleid mit der jungen Magierin. Diese bemühte sich anscheinend nicht allzu gequält auszusehen. Schnellen Schrittes verschwand sie hinter den Tresen und man hörte, wie sie ein paar Sachen hin- und herschob. Schließlich legte sie einen Beutel mit Goldstücken auf die Tresen und erklärte: „Bitteschön! Legt den Kopf einfach hier ab.“ Sie deutete auf einen unscheinbaren Korb, den sie auf die Tresen gestellt hatte, in dem weitere Köpfe lagen. Ax warf nur ein kurzen Blick in den Korb, wobei ihm auffiel, dass die Köpfe keine Augäpfel mehr hatten. Angewidert wendete er den eigenen Kopf ab. In diesem Moment fiel ihm auf, dass Kina und er aufmerksam beobachtet wurden.

Kina ließ den Kopf in den Korb fallen, sodass der Korb sein Gleichgewicht verlor und ins Ruckeln kam. Der Schattenläufer liebte es Magier zu verspotten, daher hoffte er darauf, dass der Behälter nach unten fiel und die augenlosen, leicht verwesten Köpfe durch die Taverne rollen würden. Er starrte angestrengt auf den Korb und als er sah, dass der Behälter runter fallen würde, schwenkte er seinen Mantel und half, mit dem daraus entstandenen Windstoß, etwas nach. Der Korb fiel und die Köpfe rollten raus. Kina schaute sich die Blicke und Reaktionen der Insassen an. Doch bei seinen Rundblick blieb er an den düsteren Magier stehen, dessen Blick unverändert auf das ungleiche Paar schaute. Leicht verärgert über diese Reaktion knirschte er mit den Zähnen und schnappte sich den Goldbeutel.

Kinasatos Provokation löste etwas Erstaunen in Ax aus, was er sich nicht weiter anmerken ließ, da ihn eher auffiel, dass ebenso Kina diesen mysteriösen Fremden Aufmerksamkeit geschenkt hatte. „Ach herrje!“, rief die kleine Aushilfswirtin, als der Korb herunterfiel. Sie lief hektisch um die Tresen, um die Köpfe schnell einzusammeln. Axtan sah nur kurz zu ihr, aber ihm fiel auf, dass ihr Tränen in den Augen standen. Anscheinend wurde sie öfters so behandelt und sie schien damit nicht wirklich glücklich. Der Gestaltenwandler ging wenige Schritte Richtung des Zimmers, welcher Ax und Kina sich genommen hatte, da er sich dieser Situation entziehen wollte. Plötzlich stand der düstere Magier auf und ging langsam und edel auf ihn zu. Irgendwie erstarrte Axtan, vor allem als der Fremde neben ihm stehen blieb und sehr leise und grob ihm vernichtende Beschuldigungen ins Ohr sprach: „Es ist deine Schuld, dass sie tot ist… Nicht nur sie, sondern alles, was sie je geliebt hat… Auch ich, auch meine Seele hast du mir genommen! Und du wagst es dich hier wieder blicken zu lassen… Demon! Du wirst schon noch dein gerechtes Urteil kriegen, aber vorher nehme ich dir noch den Rest deines geliebten, vergangen Lebens.“ Er sprach schnell, zu schnell, dass Ax das unverhoffte Gehörte sofort ergreifen und verarbeiten konnte. Der Fremde rammte ihn beiseite und verließ das Gasthaus noch ehe Axtan seine unzähligen Gedanken ordnen konnte.

Mit zornigen, abwürdigenden Blick starrte der Schattenläufer dem Magier hinterher. Nach kurzer Dauer der gedanklichen Abwesenheit ging er zu seinen schmächtigen Wegbegleiter. Noch immer zornig, mit leicht genervten Ton forderte er ihn auf, mitzukommen. „Ich glaube, du hast mir einiges zu erzählen.“ Kurz machte er eine Pause. „Du scheinst mir einiges zu verschweigen, wenn du hier als „Demon“ bezeichnet wirst.“ Er hielt die Tür zum Zimmer auf und deutete Ax mit seinem Blick darauf hin, dass er reingehen solle. Er schaute, um sich kurz zu belustigen, noch einmal zu der Magierin und grinste gefällig, während er darauf wartete, dass der Gestaltenwandler sich in Bewegung setzte.

Axtan, der unsicher schwankte, folgte Kinasato durch den Vorflur in das Zimmer der beiden. Seine Gedanken waren verschommen. Kinasato hatte recht, dass Ax ihm etwas verschwieg und Axtan musste ihn aufklären. Allerdings kämpfte der geistig verwirrte Gestaltenwandler gerade mit seinen Erinnerungen und ihm war nicht klar, wie er Kina das beibringen sollte. Waren das seine Erinnerung? Eine Frau… Tatsächlich kannte er sie… und ein Mann… War das nicht der Fremde von eben? Es konnte sich um keine Verwechslung handeln. Das wurde ihm bedauerlicherweise bewusst. Vorsichtig ging er zu einem Stuhl und setzte sich. „Tatsächlich verschweige ich etwas…“, fing er leise an, wobei er Augenkontakt vermied, „Ich kann mich an nichts aus meiner tieferen Vergangenheit erinnern. Ich weiß, dass ich ständig umgezogen bin, nachdem ich wie auch immer, zum Waisen wurde, aber jedes Mal verschwanden meine Erinnerungen an die einzelnen Dörfer, in denen ich lebte. Dadurch fing ich irgendwann an sie aufzuschreiben und stellte etwas fest…“ Er verstummte, während sein Blick auf den Boden ruhte und er hoffte Kina würde nicht austicken. Doch dieser zeigte keinerlei Regung, sodass Axtan schließlich fortfuhr: „Meine Fähigkeiten sind vollständig entwickelt, obwohl ich eigentlich noch in der Ausbildung bin und sie sind ausgeprägter als die eines normalen Gestaltenwandlers. Dadurch sind die meisten der Meinung, ich seie von Geburt an ein Demon oder zumindest von einem besessen… Seit ich das weiß, verheimliche ich meine Kräfte und Identität…“ Nun sah er Kinasato doch direkt an.

Der Schattenläufer hob seine rechte Augenbraue und sah Axtan skeptisch an. „Du sollst also stärker sein als andere, und darum ein Demon…“ Er verstummte langsam beim reden. Bei Vollendung des Satzes kehrte kurz Stille ein. Dann fing Kinasato an krankhaft zu lachen. Er lachte über die Worte, über die Erklärung und hörte lange nicht auf. Während seines Lachens lief er langsam auf Axtan zu. Nur noch einen Schritt bis zu ihm und die schwarze Gestalt verstummte, der Blick verdüsterte sich, wirkte leicht provokant. „Hälst du das für klug?“ Er grinste bösartig und tat den letzten Schritt. „Glaubst du wirklich, ich wäre so dumm und würde dir einfach glauben?“ Mit einem heftigen Hieb fiel der Gestaltenwandler vom Stuhl. „Ich glaube erst, wenn ich Beweise für etwas habe und lüge mich besser nicht an, du dumme, schmächtige Gestalt!“

Als Kinasato lachte, war Ax anfänglich beruhigt, da er erwartete, dass Kinasato das Ganze als albernen Spaß ansah. Andererseits wurde Ax hier schon etwas mulmig zumute, weil er Kina noch nie so krank hatte lachen hören. Nachdem Kinasato allerdings so einen krassen Stimmungswechsel machte, war Ax plötzlich ganz anders zumute. Den Schattenläufer jetzt noch mit „Euch“ ansprechen zu müssen, war Axtan wirklich nicht mehr recht, denn das war unter seiner Würde. Er kannte Kinasato jetzt schon eine Weile und konnte einschätzen, was er von ihm hielt, aber das waren solche „engelshaften“ Worte, dass er erst einmal zu „berührt“ war, um zu antworten. Ax musste schlucken und musterte Kina kurz. Dann zeichnete sich ein leichtes Grinsen auf seinem Gesicht ab. Er stand unbeeindruckt auf und klopfte seine Klamotten kurz ab. „Vielleicht ist es ja besser, wenn Ihr mir nicht glaubt.“, meinte er schließlich.

Die Gelassenheit von Axtan provozierte Kina nur noch mehr. Wutentbrannt packte er ihn am Hals und drückte ihn gegen die Wand. Sein Griff verfestigte sich und seine stahlgrauen Augen blickten finster. „Du Wurm! Wenn du so von dir überzeugt bist, dann such dir jemand anderes, den du was beibringen kannst, laut dir brauchst du von mir ja nichts mehr zu wissen!“ Er schmiss den dürren Jungen gegen die Wand, sodass der gesamte Raum erzitterte. „Viel Glück noch Kümmerling!“ Kinasato schnappte sich seine Sachen und ging aus dem Raum, wobei er die Tür zuschmetterte. Ein letzter verspottender Blick zu den Mädchen an der Theke und Kinasato verließ das Gasthaus. Länger wollte er in dem, von Magier verpesteten, Dorf nicht mehr bleiben.

 

~Fortsetzung folgt! Was ist nur in Kinasato gefahren? Und was wird Axtan jetzt tun? All das und noch mehr erfahrt ihr im nächsten Kapitel! Ich hoffe, es hat euch gefallen! Hinterlasst Kommentare und gebt eure persönliche Bewertung ab! ;)~

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